Der logarithmische Rechenschieber und sein Gebrauch
Der logarithmische Rechenschieber und sein Gebrauch
Hammer, Ernst
Stuttgart, 1898
urn:nbn:de:hbz:466:1-76882
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Vorbemerkung
.
Obgleich es an Beschreibungen und Anleitungen zum Ge¬
brauch des logarithmischen Rechenschiebers nicht fehlt , glaubte
ich doch einer vor einiger Zeit an mich gekommenen Aufforderung
zur Herstellung eines weitern solchen Rechenschieber - Heftchens ,
besonders im Hinblick auf die Bedürfnisse des Unterrichts an der
K . Technischen Hochschule Stuttgart , entsprechen zu sollen . Wie
andere Rechenschieber - Fabrikanten , wollte auch Herr Albert Nestler
in Lahr (Baden ) , von dem in den letzten Jahren grosse Liefer¬
ungen von Rechenschiebern für die Studirenden der hiesigen
Technischen Hochschule gemacht worden sind , seinen Instrumenten
eine besondere Anleitung mitgehen können , die nun auf den fol¬
genden Seiten geboten wird und die die mündliche Anleitung zum
grössten Teil zu ersetzen suchen soll . Eine solche mündliche
Anleitung durch einen im Gebrauch des Rechenschiebers erfahrenen
Rechner bleibt zwar immer die beste , ist aber nicht überall
leicht zu haben und besonders im geodätischen Unterricht bei den
gegenwärtigen Frequenzzahlen der Übungen an der hiesigen Tech¬
nischen Hochschule trotz der Vervielfältigung der Übungsstunden
kaum mehr zu geben .
Die folgende Gebrauchsanweisung , bei der selbstverständlich
ein Leser vorausgesetzt wird , der den Schieber in der Hand hat ,
wird , wie ich hoffe , den Leser mit der Einrichtung des Rechen¬
schiebers rasch so weit vertraut machen können , dass er durch
eigene Übung die grossen Rechenvorteile , die der Schieber bietet ,
ausnützen lernen wird . Denn wie in andern Dingen , die die Er¬
leichterung des Ziffernrechnens zum Zweck haben , beim Gebrauch
der Logarithmentafel u . s . f. , kommt es in Beziehung auf den
Nutzen , den der Rechenschieber gewähren kann , auf die erlangte
Übung an : wer nur gelegentlich nach dem Instrument greift
4
'
Vorbemerkung.
und sich nicht im Ablesen der Skalen die erforderliche Übung ver¬
schafft hat , wird seinen Nutzen nicht hoch anschlagen ; wer sich
genügende Handfertigkeit im Gebrauch des Schiebers angeeignet
hat , wird mit dem Unterzeichneten in dem logarithmischen
Rechenschieber
eine der wichtigsten
der
Erfindungen
erblicken . Darf man doch
Zahlenrechnung
praktischen
sagen , dass der gewöhnliche Rechenschieber für die Genauigkeits¬
stufe der Rechnung , für die er bestimmt ist , d . h . bei Rechnungen ,
die nur bis auf Viooo oder Vsoo des Ergebnisses genau zu führen
sind , nicht nur dieselben Vorteile wie die logarithmische Ziffern¬
rechnung im Vergleich mit den elementar - arithmetischen Rechen¬
weisen bietet , sondern diese Vorteile weit überbietet : während z . B .
beim Multipliziren zweier gegebener Zahlen bei der logarithmischen
Ziffernrechnung die Logarithmen dieser beiden Zahlen aufzuschlagen ,
sodann zu addieren sind und schliesslich für den so erhaltenen
Logarithmus die Zahl zu suchen ist , sind bei der Rechenschieber¬
rechnung in demselben Fall ebenfalls eigentlich die Logarithmen
der zwei gegebenen Zahlen festzuhalten , aber als Punkte auf je
einer nach den Zahlen bezifferten Skala , während das Addieren
dieser Logarithmen mechanisch , mit Hilfe von Stab und Zunge
am Rechenschieber zu machen ist und das Ablesen des Produkts
wieder nur durch Ablesen der Zahl an einer Skala zu geschehen
hat . Und nun gar vollends die Proportionsrechnung
: hier er¬
setzt der Rechenschieber nicht etwa nur , wie oft gesagt wird , eine
Logarithmentafel von geringer Stellenzahl , sein Wert ist vielmehr
der , dass er mit jeder neuen Einstellung
des verschieb¬
baren Teils , der Zunge , wieder eine vollständige
neue ,
Zahlentafel
vorstellt . Gerade zur
fertig
ausgerechnete
Proportionsrechnung , speziell zur Ausrechnung von beliebigen
Werten y nach
wo a und b feste gegebene Zahlen
y = ^ x,
sind , während x eine beliebige Reihe von gegebenen Zahlen durch¬
läuft , ist der Rechenschieber
ein ganz unersetzliches
Hilfsmittel
in den Händen keines Tech¬
, das vor allem
nikers irgend welcher Stellung
und irgend welcher Rich¬
tung fehlen sollte .
Zu den in der vorliegenden Anleitung gegebenen Zahlen¬
beispielen ist noch zu bemerken , dass ich absichtlich vermieden
5
Vorbemerkung.
habe , „ eingekleidete “ Aufgaben aus der Ingenieurmechanik oder
Maschinenlehre zu verwenden , wie sie sich in den Anleitungen
meist finden. Jeder Zweig der Technik hat seine eigenen An¬
wendungsgebiete für den Rechenschieber ( einem Architekten wäre
wohl einmal zu empfehlen , eine Anzahl von „ Hilfskonstruktionen “
u . s . f. , wie sie in der Perspektive üblich sind , durch etwas
Rechenschieber - Arithmetik mit Verwendung des Kantenmassstabs
zu ersetzen ) und jeder Bau - oder Maschinen - Ingenieur hat Formel¬
zusammenstellungen und Tabellen , wie sie oft in Rechenschieber¬
anleitungen sich finden , anderweit zur Hand ( der Maschineningenieur
z . B . in dem „ Taschenbuch der Hütte “ ) ; er wird , wenn er einmal
in dem allgemeinen Gebrauch des Rechenschiebers einige Übung
besitzt , auch sehr rasch lernen , seinen speziellen Formeln , wo es
notwendig ist , die Gestalt zu geben , die für die Anwendung des
Rechenschiebers die günstigste ist .
Auch heute noch hat der Rechenschieber , besonders in
Deutschland , nicht die Verbreitung , die er verdient , und auch
heute noch werden selbst von Solchen , die ihn verwenden , nicht
alle Vorteile des Instruments ausgenützt . Habe ich doch vor noch
nicht langer Zeit den „ Läufer “ als vollständig überflüssig be¬
zeichnen hören !
Möchten die folgenden Zeilen wenigstens etwas zur noch
weitern Verbreitung der vorstehenden Ansichten beitragen können .
Stuttgart , November 1897 .
E . Hammer
.
§ 1.
Einleitung : Einrichtung und älteste Geschichte der logarithmischen Skale .
1. Wenige Jahre , nachdem die Erfindung der Logarithmen durch den
Schweizerischen Astronomen und Mechaniker ( Hofuhrmacher der .Landgrafen
von Hessen in Kassel) Jost Bürgi ( 1552 - 1632 ) in Deutschland und durch den
englischen Mathematiker Lord Napier of Merchiston (Neper ; 1550 - 1617 )
in England und ihre Vereinfachung ( Einführung der dekadischen statt der
natürlichen Logarithmen durch den englischen Mathematiker Henry Briggs
( 1556 — 1630 ) der praktischen Zahlenrechnung des Multiplizirens, Dividirens ,
Potenzirens und Radizirens ihre endgiltige Form gegeben hatte , wurde auch
die erste graphische Logarithmen skale hergestellt und zwar durch den eng¬
lischen Mathematiker , Geodäten und Astronomen Edmond Gunter ( 1581
bis 1626 ; sein „ Canon Triangulorum “ von 1620 gab , was nebenbei bemerkt
sein mag , nur drei Jahre nach den Anfängen der Briggsschen Zahlen¬
logarithmen , auch die ersten Logarithmen mit der Basis 10 für die Funktions¬
werte Sinus und Tangens spitzer Winkel) . Er beschrieb die logarithmische
Skala in seiner „ Description and Use of the Sector, Cross - Staff and other
Instruments “ , London 1623 .
2 . Diese „ Gunter ’s Scale “ oder „ Gunter’s Line “ der Engländer
ist die Grundlage des Rechenschiebers . Sie entsteht , wenn man
auf einer geraden Linie von einem bestimmten Punkt aus in der¬
selben Richtung und selbstverständlich mit Zugrundlegung einer
und derselben Längeneinheit Strecken aufträgt , die den Loga¬
der aufeinanderfolgenden Zahlen gleich sind , und nun
rithmen
an die Endpunkte dieser Strecken die den Strecken entsprechenden
In einer vierstelligen Tafel der
Zahlen
( Numeri ) anschreibt .
Zahlenlogarithmen finden sich z . B . folgende zusammengehörige
Numeri und Logarithmen :
§ 1.
Einrichtung und Geschichte der logarithmischen Skale .
Zahl Logarithmus
0
00
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
0 . 00 00
0 . 3010
0 . 47 71
0 . 60 21
0 . 69 90
0 . 77 82
0 . 84 51
0 . 90 31
0 . 95 42
1 . 00 00
Trägt man also auf einer Geraden von einem Punkt 0 dieser
Geraden die Strecken OA , OB , 0 (7, 01 ) , . . . z . B . nach rechts hin
so auf, dass sie den Zahlen 0,3010 , 0,4771 , 0,6021, 0,6990 . . . .
proportional sind , dass also z . B . (auf Vio mm abgerundet)
0,4 = 150,5 mm , OB = 238,6 mm , 0 (7 = 301,0 mm , OD =
349,5 mm . . . lang ist , und schreibt schliesslich zu den Punkten
A , B , (7, D . . . . die Zahlen 2 , 3 , 4 , 5 . . . . , während an den An¬
fangspunkt O der Strecken die Zahl 1 ( log 1 = 0) zü schreiben
ist , so hat man die Grundpunkte oder Grundstriche der Gunter¬
skale . Zur praktischen Rechnung ist sie allerdings so noch in
keiner Weise tauglich . Man muss dazu vor allem die Einteilung
“
„ weiter treiben , so viele Teilstriche an ihrer richtigen Stelle auf
der Skale ziehen , dass man zwischen zwei benachbarte
Teilstriche
hinein nach Augenmassschätzung
bequem
kann . Nun lauten z . B . die vierstelligen Loga¬
interpoliren
rithmen für 1,1 , 1,2 , 1,3 . . . . 1,9 so :
Zahl
Log.
1,1
1,2
1,3
0 . 0414
0 . 07 92
0 . 1139
10
§ 1.
Einrichtung und Geschichte der logarithmischen Skale .
strich 10 der linken Hälfte ( Anfangsstrich der rechten Hälfte ) der
Endstrich 100 der rechten Hälfte .
3 . Übrigens ist schon klar geworden , dass man bei der Her¬
“
stellung einer solchen „ Gunter - Scale oder logarithmischen Teilung
der Logarithmen gar keine Rücksicht zu
auf die Kennziffern
an¬
nehmen braucht , dass es vielmehr nur auf die Mantissen
kommt , wie denn auch in der zahlenlogarithmischen Haupttafel
gar keine Kennziffern stehen sondern nur Mantissen ; mit andern
Worten , dass es gleichgiltig ist , ob man die Hauptstriche der
rechten Hälfte der Skala in der That mit 20 , 30 , 40, . . . 100
beziffert oder ebenso wie in der linken Hälfte wieder mit 2 , 3 ,
4 . . . 10 ; oder , noch anders ausgedrückt , dass ein bestimmter
Strich der linken oder der rechten Hälfte der ganzen Teilung ,
z . B . der mit 3 bezifferte , ebensowohl 3 als 30 , 300 . . . . , als auch
0,3 , 0,03 . . . . bedeuten kann .
4 . Um nun mit Hilfe einer solchen Gunter - Skale , die in der
folgenden Fig . 1 einfach ( nur in der linken Hälfte ) und nur mit
den Hauptstrichen angedeutet ist , zu rechnen , d . h . um mit ihrer
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Loa 2
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Log
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2 log
4
1
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( log
6 ( = locj 2 ~ Log 3 )
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6
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9
8
10
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Figur
1.
Hilfe bei Multiplikation und Division die Vorteile der Logarithmen¬
rechnung zu geniessen ( Verwandlung der Multiplikation in Addition ,
der Division in Subtraktion nach log ( a b ) = log a + log b und
= log a — logb ) , musste man noch den Zirkel
anwenden .
Um z . B . 2 X 3 zu rechnen , nahm man die Strecke ( 1 ) ( 2 ) in den
Zirkel (man hatte damit eine Strecke , die in dem bestimmten Mass¬
stab der Skale gleich log 2 ist ) und setzte den hintern Zirkelfuss
in den Strich 3 ( dessen Entfernung vom Strich 1 in demselben Mass¬
stab gleich log 3 ist ) : der vordere Zirkelfuss reichte dann rechts
bis zu dem mit 6 bezifferten Strich , so dass also 2X3 = 6
gerechnet war nach log 6 = log 2 + • log 3 , aber ohne dass man mit
den Logarithmen Ziffern irgend etwas zu thun gehabt hätte , viel¬
mehr ist die Rechnung rein mechanisch gemacht worden .
So ist Gunter ’s logarithmischer Massstab thatsächlich be -
2.
Geschichte des heutigen Rechenschiebers.
11
nützt worden . Und diese Zirkelverwendung auf logarithmischen
Skalen hat sich hei den erweiterten Gunter - Skalen der Seeleute ,
die eine ganze Anzahl von nautisch wichtigen Teilungen enthalten ,
zum Teil bis in die neueste Zeit herein erhalten ( vgl . z . B . Jerr rnann , Die Gunterskale , Hamburg 1888 ) .
2.
Fortsetzung .
Geschichte des heutigen Rechenschiebers .
1 . Der heutige Rechenschieber
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war aber erst
erfunden , als , wenige Jahre nach Erfindung der
Gunter - Skale der Engländer Wingate ( 1593 - 1656 ) ,
der zuerst für die Verbreitung des Guter sehen loga¬
rithmischen Massstabs gewirkt hatte (und auch um
die logarithmisch - numerische
Rechnung sich durch
eine musterhaft angeordnete Logarithmentafel Ver¬
dienste erworben hat ) 1627 den Vorschlag machte ,
den Zirkel dadurch entbehrlich zu machen , dass man
zwei solche , genau mit einander übereinstimmende
Gunter - Skalen an einander verschiebbar anordnet .
Denkt man sich in der That unter die oben
in § 1 angedeutete Skale A eine zweite , genau da¬
mit übereinstimmende und gegen A längs der Teil¬
kante verschiebbare Teilung B gelegt , Fig . 2 , so hat
man , um 2 X 3 = 6 auszurechnen , nur die 1 von B
genau unter 2 von A zu bringen und sodann über 3
von B auf der Skale A abzulesen ; und allgemein
ist in derselben Art auch a . b nach log ( a b ) = log a
-+- log b zu rechnen .
In späterer Zeit ist der Gunter - Wingatesche
Rechenschieber mehrfach weiter vervollkommnet worden ,
. Über
z . B . 30 Jahre nach Wingate von Seth Partridge
den Stand der Rechenstabherstellung in der zweiten Hälfte
zu
des vorigen Jahrhunderts ist eine Schrift von Lambert
weitreichenden
Blick
für
das
dev
mit
seinem
vergleichen,
Praktisch - Wichtige in der Mathematik die Bedeutung des
Rechenschiebers zu würdigen wusste : Beschreibung und Ge¬
brauch der logarithmischen Rechenstäbe , Augsburg 1772 .
Einer der wichtigsten neuern Fortschritte war der, dass man ,
2.
12
§ 2.
Geschichte des heutigen Rechenschiebers.
ausser den Teilungen A und B , unten auf dem Stab , der oben A trägt , also
unterhalb der „ Zunge “ oder dem Schieber, der B trägt , eine weitere Teilung
anbrachte , die zwar genau dieselbe (logarithmische) Teilung wie A und B
vorstellt , aber in doppelt so grossem Massstab aufgetragen ist , so dass damit
die so oft vorkommenden Quadrate und Quadratwurzeln der Zahlen bequem
zur Hand waren. In unsrem Jahrhundert hat der Rechenschieber , wenn
auch langsam ( besonders in Deutschland) , stetig an Boden gewonnen, ohne
dass in den letzten Jahrzehnten mehr eingreifende Änderungen in der An¬
ordnung des Instruments geschehen wären . Auch mehrere weitere Zugaben ,
z . B . die Sinus- und Tangens- Teilungen der Rückseite der Zunge sind im
Vergleich mit der Hauptbestimmung des Schiebers ohne grosse Bedeutung .
Hervorzuheben ist nur noch Eine sehr wichtige Vervollständigung, der sog .
Läufer ( Courseur der Franzosen) , um 1850 von dem damaligen Artillerie¬
lieutenant Mannheim in Metz ( später Professor in Paris ) eingeführt ; er
gestattet auch längere Rechnungen ohne Zwischenablesung mit dem Schieber
auszuführen. Zu erwähnen ist ferner noch , dass der Rechenschieber die Form
und Ausstattung ( Teilungslänge u . s . f.) , in der wir ihn jetzt verwenden , in
Paris erhalten hat ; von dorther wurden bis vor 30 JV ren auch fast alle
Rechenschieber bezogen , die in Deutschland gebraucht wurden ; die Firma
Tavernier
war besonders für gute Rechenschieber bekannt ( sie hiess zuerst
Gravet- Lenoir, dann Tavernier- Gravet, dann Tavernier - Vinay ) , die aus Buchs¬
baumholz in der natürlichen Farbe dieses Holzes hergestellt waren. In den
letzten Jahren hat die technische Herstellung der Schieber besonders in
Deutschland Fortschritte gemacht ; es giebt jetzt in Deutschland mehrere
Fabriken guter Rechenschieber, die meist das ebenso beständige Mahagoni¬
holz verwenden, die Teilungen aber nicht mehr auf dem Holz , sondern auf
darauf befestigten Streifen von weissem Celluloid mit scharfen schwarzen
Strichen auftragen . Das Verdienst der Einführung dieser Neuerung gebührt
Dennert und Pape in Altona . Schieber aus Metall (Messing , Neusilber ,
vernickeltem Stahl ) sind zwar sehr beständig , aber auch sehr teuer und haben
leicht den Übelstand , dass die Oberfläche beim Gebrauch entweder zu matt
und unrein ( Messing ) oder aber glänzend wird (Neusilber) ; in beiden Fällen
leidet die bequeme und scharfe Ablesung Not .
3 . Ein Wort ist gleich hier noch beizufügen über besondre Formen
des logarithmischen Rechenschiebers und über Rechenschieber zu besondern
Zwecken , d . h . zur Rechnung nach besondern Formeln u . dgl .
Schon Will. Oughtred
(1574— 1660 ) hatte vor der Mitte des 17 .
Jahrhunderts vorgeschlagen, die geradlinige Kante der zwei von Wingate
benützten Gunterskalen durch zwei gegen einander drehbare , zusammenfallende
Kreisumfänge zu ersetzen , wobei der Vorteil entsteht , dass man die Skale
nur Einmal ( in sich zurückkehrend , d . h . den ganzen Kreisumfang einnehmend)
braucht , nicht zweimal wie bei dem gewöhnlichen geradlinigen Schieber, so
dass ein solches , nach heutiger Terminologie als Rechenscheibe bezeichnetes
Instrument von a cm Teilungsdurchmesser nicht nur einen Rechenschieber
von a . n , sondern einen solchen von 2 a . n ganzer Teilungslänge ersetzt .
§ 2.
Geschichte des heutigen Rechenschiebers.
13
Dieser Vorschlag ist in der Folge dann sehr oft wiederholt worden (in den
letzten Jahrzehnten z . B . Rechenscheiben von Sonne , ausgeführt von Lands¬
berg , u . A . in Deutschland ; auch der Cercle ä Calcul von Boucher in
Frankreich , der „ Rechenknecht“ von Herrmann und viele ähnliche Instru¬
mente gehören hieher , obgleich sie für die wichtigste Rechnung, Multipli¬
kation und Division, nur Eine Skala haben und eigentlich auf die „ Gunter Skale “ zurückgehen, wenn auch die Zirkelöffnung durch einen ZeigerCentriwinkel ersetzt wird) . Auch das Rechenrad ist zu nennen , bei dem
die Teilungen A und B nicht auf den gegen einander verstellbaren Umfängen
zweier übereinstimmender Kreise , sondern auf den Stirnen zweier neben
einander liegender Räder von gleichem Durchmesser aufgetragen sind (das
Rechenrad ist in Deutschland eingeführt worden von A . Beyerlen , vgl.
Zeitschr . für Vermess . 1886 , S . 382 ). — Von der Länge der ganzen Teilung ,
von der Längeneinheit , nach der der logarithmische Massstab aufgetragen
ist , hängt die Genauigkeit ab , die man bei der Rechnung mit dem Instru¬
ment wird erreichen können . Um sich die Bequemlichkeit der Rechenschieber¬
rechnung auch für solche Rechnungen zu sichern , zu denen der gewöhnliche
Schieber von 25 cm ganzer Teilungslänge ( Einheit 125 mm lang ) an Ge¬
nauigkeit nicht ausreicht , hat man deshalb die Teilungslänge zu vergrössern
gesucht . Der eine solche Versuch sind eben die Rechenscheiben und Rechen¬
räder . Man kann aber selbstverständlich auch geradlinige Skalen von grösserer
Länge hersteilen . Mit genau derselben Einrichtung wie beim gewöhnlichen
Rechenschieber kommt man jedoch nicht weit , da das Instrument rasch
unhandlich wird ; der sog . 50 cm - Schieber ( ein Rechenschieber von ganz
derselben Einrichtung wie der unten näher zu beschreibende, nur mit durch¬
aus verdoppelten Skalenlängen, steht bereits an der Grenze eines bequem
handlichen und noch aus Holz mit Nutzen herstellbaren Instruments ) . Neben
dem 50 cm - Schieber sind Rechentafeln und Rechenwalzen in grosser Zahl
entstanden , die denselben Zweck der Genauigkeitssteigerung durch weitere
Verlängerung der geradlinigen Skalen verfolgen ; dabei ist nun aber bei diesen
Instrumenten die Skale in einige Stücke zerschnitten , um das Ganze auf
bequeme Länge zu bringen . Genannt seien wenigstens die Rechentafel von
u . A . ; die
Scherer in Kassel und die Rechenschieber von Hannyngton
Rechenwalze von Thacher
( die die Teilung A in einzelnen Stücken auf
Mantellinien [ Stegen] eines Oylinders aufgetragen hat , während die Zungen¬
teilung B sich auf einem in jenem Stegcylinder verschiebbaren Cylinder in
derselben Art angeordnet befindet) und andere Rechenwalzen u . s . f. Erwähnt
sei auch, dass man Rechenschieber gewöhnlicher Form zwischen dem 25 - und
50 cm - Schieber hergestellt hat , ferner Rechenschieber mit kleinerer Teilungs¬
länge als sie der 25 cm - Schieber hat u . s . w .
4 . Auch ]"dass man für besondre Zwecke ( Rechnung nach speziellen
Formeln) besondre Rechenschieber eingerichtet hat , sei hier nur erwähnt .
Besonders weite Verbreitung haben davon seit 50 Jahren allmählich die
sog . Tachymeterschieber gefunden zur Ausrechnung der Horizontalentfernung
und des Höhenunterschieds tachymetrisch aufgenommener Punkte nach
14
§ 3.
Beschreibung des Rechenschiebers.
e = I ?. eos 2 « , h = e . tg a = E . ~ sin2 a ;
solche Schieber sind von Wild ,
Moinot , Werner u . v . A . angegeben worden . Auch besondre Einrichtungen
zur Rechenschieber-Ausrechnung barometrisch gemessener Höhen ( von Koppe ,
Bischoff , Hammer u . a .) sind zu erwähnen ; wie man denn gerade für
geodätische Zwecke mancherlei besondere Schieber hergestellt ' hat .
5 . Alles Folgende bezieht sich aber zu¬
nächst auf den geradlinigen Rechenschieber
von 250 mm ganzer Teilungslänge , der für
jeden Techniker unentbehrlich ist . Wer in der
Arbeit mit diesem Instrument gut eingeübt
ist , findet sich auch leicht an einem längern
oder besonders eingerichteten Rechenschieber
oder an einer Rechenwalze zurecht .
ü
o
fcd
ffl
§
3.
Beschreibung des Rechenschiebers .
Der Rechenschieber (in Deutsch¬
land früher vielfach auch Rechenstab
genannt ; französisch : Regle ä Calcul
oder Reglelogarithmique ; englisch : Slide
Rule ; italienisch : Regola calcolatore )
besteht aus dem Stab und der Zunge
(dem beweglichen Teil , oft auch Schie¬
ber genannt , welcher Name nun aber
gewöhnlich das ganze Instrument be¬
zeichnet ) ; dazu kommt für viele Zwecke
als notwendige Ergänzung der Läufer .
1.
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2 . Der Stab St (Fig . 3 ) und die
darin in einer Nut verschiebbare Zunge
Z ( derenHandhabung früher durch einen
kleinen Knopf auf dem Ende der Zungen¬
oberfläche erleichtert war , jetzt durch
einen Ausschnitt oder zwei Ausschnitte
an der Unterfläche des Stabs bequem
gemacht ist ) sind aus Holz hergestellt
(für die billigen Sorten Birnbaumholz
u . dgl . , früher in der Regel Buchsbaum¬
holz , jetzt besonders Mahagoniholz ) . Der
3.
Beschreibung des Rechenschiebers.
15
“
der Zunge darf nicht zu leicht und nicht zu schwer sein .
Bei den frühem Schiebern waren die Teilungen unmittelbar auf
das Holz aufgetragen , bei den neuern Schiebern befinden sich die
Teilungen , in feinen schwarzen Strichen , auf Celluloidstreifen .
„ Gang
B.
fläche .
Teilung A auf der obern Hälfte der Stabober¬
Die obere Hälfte der Staboberfläche zeigt bei A
eine logarithmische Teilung ( eine Gunter - Skale ) genau von der
Einrichtung , wie sie in § 1 beschrieben ist , zweimal neben ein¬
ander aufgetragen mit der Längeneinheit 125,00 mm ( d . h . es wird
auf ihr log 10 = 1,00000 durch die angegebene Länge dargestellt ) .
Die Striche 2 , 3 , 4 , 5 , 6 , 7 , 8 , 9 , 10 ( = 1 ) der linken Hälfte
der Skale haben also folgende Entfernungen von dem mit 1 beziffer¬
ten linken Anfangsstrich ( vgl . die 5 - stelligen Log . der Zahlen
2 , 3, . . . . 9 in der Logarithmentafel ) :
Strecke zwischen :
Länge dieser Strecke :
und 2
1
3
„
1
4
„
1
5
„
1
, 6
1
, 7
1
, 8
1
9
„
1
1
,
125 X 0,30103 =
125 X 0,47 712 =
125 X 0,60 206 =
125 x 0,69 897 =
37,63 mm
59,64 „
75,26 „
87,37 „
125 X 0,77 815 = 97,27 „
125 X 0 . 84 510 = 105,64 „
125 X 0,90 309 = 112,89 „
125 X 0,95 424 = 119,28 ,
1 ( 10 ) 125 X 1,00 000 = 125,00
„
Die rechte Hälfte der ganzen Skale A ist die genaue Kopie der
linken , und auch in derselben Art mit 1 , 2 , 3, . . . . 9 , 1 beziffert ,
nicht mit 10 , 20 , 30, . . . . 90 , 100 .
Es ist gleich hier nochmals zu merken , dass auf der Skala A
z . B . der Strich 4 in der linken oder rechten Hälfte jede beliebige
der Bedeutungen . . . 0,004 , 0,04 , 0,4 , 4 , 40 , 400, . . . hat , d . h .
dass die Stellung des Dezimalkommas bei gegebenen und abge¬
lesenen Zahlen nicht in Betracht kommt und vom Schieber nicht
geliefert wird .
Aus den oben angeschriebenen Zahlen für die Entfernung der
Striche vom Anfangsstrich liest man z . B . ab : Strecke ( 1 ) (4) gleich
2mal Strecke ( l-> ( 2 ) ( da Ing 4 = 2 . log 2 ) ; Strecke ( 1 ) (9 ) gleich
2mal Strecke ( 1 ) ( 3) ( da log 9 = 2 . log 3) ; Strecke ( 1 ) ( 6) gleich
16
§ 3.
Beschreibung
des Bechenschiebers .
Strecke ( 1 ) ( 2 ) plus Strecke ( 1 ) ( 3) ( da log 6 = log 2 -+- log 3 ist ) ;
Strecke ( 1 ) ( 10 ) gleich Strecke ( 1 ) ( 2 ) plus Strecke ( 1 ) ( 5 ) ,
( log 10 = log 2 + log 5 ) u . s . f. Über die weitere Einteilung von A
s . unten in 6 .
4 . Teilung B auf der Obern Hälfte der Zunge . Die
an der Stabteilung A sich verschiebende obere Zungenteilung
B stimmt mit A vollständig überein ; und diese beiden Skalen A
und B stellen also den für Multiplikation und Division von Zahlen
des Rechenschiebers vor . Es gieht Schieber ,
bestimmten Hauptteil
auf denen nur diese beiden Skalen vorhanden sind ( ebenso wie
auf den gewöhnlichen Rechenscheiben , die nur diese zwei Skalen
bieten können ) .
5 . Die Teilungen C und D . Bei der gewöhnlichen Aus¬
führung der Schieber trägt nun aber auch die untere Hälfte der
Zunge eine Teilung C und ebenso die untere Hälfte des Stabs
eine Teilung D . Bei den ältern Schiebern war auch die Teilung
C nochmals vollständig mit A identisch ( so dass also die Grund¬
teilung A im ganzen dreimal vorhanden war , oben auf dem Stab
und zweimal auf der Zunge ) und es wird diese „ alte “ Teilung
auch heute noch von Manchen vorgezogen . Bei allen neuern Schiebern
ist aber die Einrichtung so , dass die Skalen C und D unter sich
genau übereinstimmen , von A und B aber verschieden sind . Jedoch
liegt der Unterschied von C , D gegen A , B nur im Massstab : C
und D sind ebenfalls logarithmische Skalen , nur in doppelt so
grossem Massstab , als ihn A und B haben , aufgetragen . Man kann
aus der obigen Tabelle demnach die Entfernungen der (mit den
grossem Zahlen bezifferten ) Striche 2 , 3 , 4, . . . . der C - und D Teilung vom Anfangsstriche 1 dadurch ablesen , dass man jene
Zahlen verdoppelt . Genau dieselbe Strecke , die die aus zwei
gleichen Hälften bestehende A - Teilung oben auf dem Stab einnimmt ,
nimmt die einfache D - Teilung unten auf dem Stab ein ; die mit
1 bezifferten Anfangs - und Endstriche von A und von D stehen
dabei genau über einander . Genau über 2 , 3, . . . . der D - Teilung
werden damit auf der A - Teilung die Striche 4 , 9, . . . . sich be¬
finden : die Skala A ist die „ Quadratteilung “ im Vergleich mit D ,
oder es ist D die „ Quadratwurzelskale “ im Vergleich mit A . —
Die sog. „ neue “ Form des Schiebers , C = D , statt wie auf der
§ 3.
Beschreibung
des Rechenschiebers .
17
Form C = A = B , ist von Tavernier - Vinay in Paris
worden und jetzt allgemein ge¬
( vgl . § 2 , 2 ) zuerst ausgeführt
bräuchlich . Sie verlangt allerdings unbedingt den Läufer (s . u .)
ohne
als Beigabe , während man sich bei der altern Einrichtung
ihn behelfen konnte . Da aber der Läufer für andere Zwecke ohne¬
hin unentbehrlich ist und man bei der neuen Einrichtung in der
können als mit der
Lage ist , viele Rechnungen schärfer führen zu
alten , so ist jene als die bessere zu bezeichnen, die mit Recht
die alte fast ganz verdrängt hat .
„ alten
“
6 . Unterteilungen und Bezifferung in jeder der Skalen .
Zwischen den Hauptstrichen , deren Entfernung vom Anfangsstrich
Tabelle enthält ,
1 in den Skalen A und B die oben angegebene
sind nun noch so viele Striche an den ihnen zukommenden
Orten zu ziehen , dass zwei benachbarte Teilstriche um nicht
1
mehr als etwa 1 bis 17 2 mm und nicht weniger als etwa /.2 mm
die Haupt¬
von einander entfernt sind . Man wird also zwischen
striche 1 und 2 der Skalen A und B hinein jedenfalls einmal die
Striche für 1,1 , 1,2 , 1,3 , 1,4 . . . . 1,9 (oder 11 , 12 , 13 . . . . 19
u . s . f. ) ziehen . Mit den Log . dieser Zahlen aus der 5 stelligen
Tafel findet man für die Entfernungen dieser Striche vom Anfangs¬
punkt 1 der Skale A oder B aus folgende Werte :
( 1,0 ) ( 125 X 0,00 000 == 0,00 mm )
125 X 0,04 139 == 5,17 Jf
1,1
125 X 0,07 918 == 9,90 n
1,2
125 X 0,11 394 == 14,24 y>
1,3
125 X 0,27 GOU- ßiII= 34,84 n
1,9
. )
( 2,0 ) ( 125 X 0,30 103 == 37,63
mit 1000 multiplizirt und
( mit 125 multiplizirt man , indem man
mit 8 dividirt ) . Der Abstand der Striche 1 und 1,1 am Anfang
der Skale A beträgt also noch ( auf 0,1 mm abgerundet ) 5,2 mm ,
die Entfernung der Striche 1,9 und 2 noch 2,8 mm . Man wird
demnach in der Unterteilung noch weiter gehen , und zwar sind
zwischen 1 und 1,1 ; zwischen 1,1 und 1,2 ; . . . . ; zwischen 1,9
und 2 je noch die Striche für 1,02 , 1,04, . . . . , 1,08 ; 1,12 , 1,14 . . . . ,
selbst
1,18 ; . . . . ; 1,92 , 1,94, . . . . , 1,98 angebracht . Man rechne sich
18
§ 3.
Beschreibung des Rechenschiebers.
mit Hilfe der Logarithmentafel alle diese Strecken vom
Anfangs¬
strich 1 aus .
Von dem Hauptstrich 2 an würden die Striche für das Inter¬
vall 0,02 , das , wie angegeben zwischen 1 und 2 noch vorhanden
ist , rasch zu eng beieinander zu stehen kommen ; es ist deshalb
zwischen 2 und 5 nur noch das Intervall 0,05 gewählt d . h . es
,
sind die Striche für 2,05 , 2,1 , 2,15 , 2,2 , 2,25 2,3 . . . . bis
4,9 ,
,
4,95 , 5,0 vorhanden . Und zwischen 5 und 10 ( 1 ) würdeu auch
diese Striche zu eng zu liegen kommen , und es ist deshalb nur
noch das Intervall 0,1 gewählt , d . h . die unmittelbar auf 5
folgen¬
den Striche bedeuten 5,1 , 5,2 , 5,3 . . . . , 6,0 6,1 . . .
;
. , 9,9 , 10,0
,
( oder 1 ) . Die Entfernungen der Striche 5 und 5,1 vom
Anfangs¬
punkt 1 sind z . B .
5 | 125 X 0,69 897 = 87,37 mm
5,1 j 125 X 0,70 757 = 88,45
„ ,
sie sind also noch 1,1 mm von einander entfernt die
;
Entfernung
der Striche 9,9 und 10 vom Anfangspunkt der Skale ist
dagegen :
9.9
125
=
564
X
0,99
mm
124,45
|
10 | 125 X 1,00 000 = 125,00
„ ,
d . h . diese Striche sind nur noch zwischen
und
0,5
0,6 mm von
einander entfernt und ein „ Weitertreiben “ der
Teilung an dieser
Stelle würde nicht mehr den Vorteil einer
Erhöhung der Genauig¬
keit der Schätzung zwischen die Skalenstriche hinein bieten wohl
,
aber den Nachteil geringerer Übersichtlichkeit der
ganzen Teilung
bringen .
Nach denselben Erwägungen sind auch die kleinsten Teile
gewählt , die auf den Skalen C und D noch direkt angegeben sind .
Zwischen den Zahlen 1 und 2 sind selbstverständlich zunächst
wieder die Striche 1,1 , 1,2 , 1,3, . . . . 1,9 angebracht sodann aber
,
,
dem gegen A und B verdoppelten Massstab
entsprechend , zwischen
diese Striche hinein nicht nur die Striche 1,02 1,04 . . . wie auf
.
,
A und B sondern die Striche
,
1,01 , 1,02 , 1,03 . . . . 1,99 , 2,00 ;
zwischen 2 und 4 ist das Intervall der Striche 0,02 sie lauten
,
nämlich von 2 aus : 2,02 , 2,04 , 2,06 2,08 ; 2 10 ; 2,12
,
,
, 2,14 , 2,16 ,
2,18 ; 2 , 20 ; . . . . 3,98 ; 4 , 00 . Zwischen 4 und 10 endlich ist hier
als kleinstes Intervall 0,05 gewählt so dass die Striche von 4 aus
,
bedeuten : 4,05 , 4,10 , 4,15 , 4,20 .
9,90 , 9,95 , 10,00 .
Die Bezifferung
der Striche auf den vier Skalen wird mit
§ 3.
Beschreibung
des Bechenschiebers .
19
Rücksicht auf die Übersichtlichkeit
der Teilung zweckmässig
mit möglichst wenigen Zahlen gemacht . Auf A und B stehen nur
(in jeder der beiden Hälften ) die Zahlen 1 , 2 , 3, . . . . , 9 , 1 bei den
Hauptstrichen ; ebenso auf C und D von 2 aus gegen rechts nur
die Hauptzahlen 3 , 4 . 5 , . . . . 1 ( 10 ) dagegen zwischen 1 und 2
noch die kleinern Ziffer 1 , 2 , 3 , . . . . 9 , die also als : 1,1 , 1,2 ,
1,3 , . . . . 1,9 zu lesen sind .
Diese Bezifferung genügt in der That vollständig und ist
selbst bei nur geringer Übung im Rechenschieber - Rechnen der
(neuerdings oft vorgeschlagenen ) direkten Bezifferung auch noch
weiterer Striche entschieden vorzuziehen . Dabei muss allerdings
dafür gesorgt werden , dass durch verschiedene
Strichlängen
die Übersichtlichkeit und leichte Lesbarkeit aller Skalen genügend
gewahrt ist . Es sind auf den Teilungen drei Strichlängen vor¬
handen ; die kürzesten z . B . auf A und B zwischen 1 und 2 für
die Striche 1,02 , 1,04 , 1,06 , 1,08 ; 1,12 , 1,14 , 1,16 , 1,18 ' ; 1,22 . . . .
1,28 ; u . s . f. ; zwischen 2 und 5 für die Striche 2,05 , 2,15 , 2,25 . . . .
2,95 ; 3,05 , 3,15, . . . . 4,95 ; endlich von 5 an für 5,1 , 5,2 , 5,3 , 5,4 ;
5,6 , 5,7 , 5,8 , 5,9 ; 6,1 u . s . w . bis 10 . Die nächst langem Striche
sind auf A und B angewandt zwischen 1 und 2 für die Striche 1,1
,
1,2 , 1,3 , 1,4 ; 1,6 , 1,7 , 1,8 , 1,9 ; zwischen 2 und 5 für die Striche
2,1 , 2,2 , 2,3 , 2,4 ; 2,6 , 2,7 , 2,8 , 2,9 ; 3,1 u . s . f . bis 4,9 ; zwischen
5 und 10 endlich nur noch für die Striche 5,5 6,5
,
, 7,5 , 8,5 , 9,5 .
Die längsten Striche endlich sind benützt für 1 1,5 2 2,5 3
,
,
,
,
,
3,5 , 4 , 4,5 , 5 ; 6 , 7 , 8 , 9 , 10 , wobei , wie schon angegeben ist , die
Striche 1 , 2 , 3 , 4, . . . . 9 , 10 zugleich beziffert
sind .
Ebenso für die Teilungen C und D , z . B . bedeuten die
kürzesten Striche zwischen 1 und 2 die Zahlen 1,01 1,02 1,03
,
,
,
1,04 ; 1,06 , 1,07 , 1,08 , 1,09 ; . . . . 1,98 , 1,99 ; die nächst längern
1,05 , 1,15, . . . . 1,95 ; die längsten 1,0 , 1,1 , 1,2 , 1,3 . . . . 1 . 9 , 2,0 ,
wobei diese zugleich sämtlich ( 1 und 2 grösser , 1,1 , 1,2 . . . . 1,9
kleiner ) beziffert sind . Ähnlich für die folgenden Intervalle 2 bis 4
und 4 bis 10 . Es ist sehr wichtig , sich sogleich wenn man den
,
Rechenschieber zum erstenmal zur Hand nimmt , alle diese Ein¬
richtungen genau einzuprägen .
Sog . 7T- Striche sind in der Regel auf den Teilungen A und B
angebracht : bei 3,142 befindet sich ein längerer Strich auf A und B ,
20
§ 3.
Beschreibung
des Rechenschiebers .
ferner meist auf B allein bei 7854
=
0,7854J .
Diese Striche
erleichtern die Kreis - und Kugelreehnung .
7 . Rückseite der Zunge . Hier sind drei weitere Teilungen
angebracht . Die mittlere davon ist eine völlig gleichförmige Teilung ,
deren Striche je 0,500 mm von einander entfernt sind , beziffert
von 1 bis 10 , wobei jeder solche Hauptteil ( 1 ) ( 2 ) , ( 2 ) ( 3 ) . . . .
in 10X5
gleiche Teile
(9 ) ( 10 ) genau 25 mm lang und also
zerlegt ist . Die Striche vom Anfangsstrich 0 aus bedeuten demnach
998 , 1000 .
der Reihe nach 002 , 004 , 006 , 008 , 010 , 012 , 014 .
Es ist diese Teilung , die als L- Teilung bezeichnet sei , die Gegen¬
beiden Skalen
teilung zu D ; man kann nämlich mit Hilfe dieser
die Logarithmen zu gegebenen Zahlen aufsuchen und umgekehrt und
so demnach mit dem Schieber , wenn auch nicht unmittelbar wie
be¬
Quadrate und Quadratwurzeln ( vgl . 5 ) , so doch indirekt auch
— Die zwei äussern
liebige Potenzen und Wurzeln ausrechnen .
Skalen der Rückseite der Zunge , mit S und T bezeichnet , lassen
die Sinus und Tangenten gegebener Winkel ablesen und sind
demnach mit Winkelgradzahlen beziffert . Die Teilung S für Sinus
34 ' ,4 entspricht
beginnt links mit einem Anfangsstrich , der
'
'
• 3438 ) der erste bezifferte Strich heisst 40 , dann
,
(= ~ q =
'
'
'
'
kommt 45 , 50 , 55 , 1 ° 0 , u . s . f. , die letzten rechten Striche der
°
°
S- Teilung bedeuten von 70 an (was noch angeschrieben ist ) 72 ,
74 ° , 76 ° , 78 ° ; 80 ° , 85 ° , 90 ° . — Auf der T - Teilung dagegen
° 44 ' ( = ^ ° =
entspricht dem Anfangsstrich die Ablesung 5
° 45 ' 5 ° 50 ' 5 ° 55 ' , 6 ° u . s . f.
°
,
,
^ • 57 ,3 ) , dann folgen die Striche 5
'
'
'
10 '
°
von 5 zu 5 bis zu 30 , von dort an sind Striche von 10 zu
*°
45 ° . —
(für jeden - - ) angegeben , der Endstrich rechts entspricht
Hilfe eines
Abgelesen wird an diesen drei Teilungen z . T . mit
Indexstrichs , der an dem in 1 . angegebenen Ausschnitt auf der
Unterseite des Stabs rechts ( oft auch links ) sich befindet ; z . T . wird
aber auch die Zunge umgewendet gebraucht , vgl . u .
Die Bedeutung dieser Teilungen L , S , T der Rückseite der
A B - und selbst
Zunge ist im Vergleich mit der Bedeutung der ,
mit der C , D - Teilung gering ; vorläufig soll auf sie keine Rücksicht
genommen werden .
§ 3.
8 . Läufer .
Beschreibung
Eine
des Rechenschiebers .
21
für viele Rechnungen notwendige , für
andre zweckmässige Vervollständigung des Rechenschiebers ist der
Läufer , bestehend aus einem leichten Metallrahmen , der an den
Seitenflächen des Stabs geführt ist . Die obere Seite des Rahmens
enthält eine Feder , durch deren vorsichtiges Biegen man der Index¬
linie auf dem Läufer eine etwas andre Lage geben kann . Auf
den ältern Läufern waren zwei Indexstriche angebracht , entweder
durch die Schneiden von kleinen Vorragungen an dem Metall¬
rahmen oder durch eingerissene Linien auf solchen vorstehenden .
Zähnen . Einer dieser Indices lag auf der Trennungslinie A/B , der
zweite auf der Trennungslinie C/D . Neuerdings wird fast stets
einem „ Glasläufer “ der Vorzug gegeben , bestehend aus einem in
den Metallrahmen gepassten Glasplättchen , dessen Unterfläche un¬
mittelbar über den Teilungen von Stab und Zunge sich bewegt
und den Indexstrich in Gestalt einer feinen geschwärzten Linie
trägt . Wenn , wie sehr häufig , die Teilungen A und D zusammen¬
wirkend benützt werden sollen , so muss der Indexstrich scharf richtig
gestellt sein , d . h . er muss , wenn er hei D auf 2 , 3 , 4 , 5 , 6 ge¬
stellt wird , auf A scharf die Striche 4 , 9 , 16 , 25 , 36 decken .
9 . Massstäbe am Stab des Rechenschiebers . Rück¬
seite des Stabs . An der abgeschrägten Seitenfläche des Stabs
neben der Teilung A ( — diese Seitenfläche ist , vgl . Fig . 3 , oben
auf ein kleines Stück rechtwinklig abgeschnitten , um auch als
zweite Führungsfläche für den Läufer eine Fläche ähnlich wie auf
der gegenüberliegenden Seitenfläche des Stabs zu gewinnen — )
befindet sich an der scharfen Kante ein Millimetermassstab von
250 mm Länge , der als genauer Zeichenmassstab sehr willkommen
ist . Sodann findet sich an der Seitenfläche des Stabs , die neben
der Teilung D liegt , ein genau an der linken Ecke des Stabs
mit 0 beginnender weiterer Millimetermassstab , der rechts bei
einer Gesamtlänge des Stabs von 260 mm genau mit 26 cm ab schliesst und nun auf dem nach Ausziehen der Zunge nach rechts
sichtbar werdenden „ Grund “ des Stabs mit 261 , 262, . . . . mm bis
52 cm sich unmittelbar fortsetzt . Man hat so ein Anlege - und
Stichmass , das in der Entfernung : linke Endfläche des Stabs bis
zum rechten Ende der Zunge bequeme Ablesungen bis zu 52 cm
auf dem Stabgrund liefert .
22
§ 3.
Beschreibung des Rechenschiebers.
i-
Auf der Rückseite des Stabs finden sieb , auf einem aufgekleb¬
ten Blatt , eine Anzahl von metronomischen , physikalischen und
technischen Notizen zusammengestellt , die man oft brauchen kann .
10. Prüfung des Stabs . Krummwerden ; Gang der
Zunge. Ehe man einen Schieber beim Kauf annimmt, ist genau
nachzusehen , ob , wenn man die linke 1 der Zunge mit der linken
1 von A und von D zur Deckung bringt auch die rechten
End¬
,
striche von A , B , C , D scharf zusammenfallen . Wenn diese Probe
scharf stimmt , so sind die Teilungen genügend kontro' lirt , da sie
mit Teilmaschinen
hergestellt werden und kaum ungleich¬
Schwinden von Stab oder Zunge zu befürchten ist ;
förmiges
immerhin beachte man auch einige Zwischenstriche
an A/B und
C/D . — Die Einrichtung, die das Krummwerden des Schiebers
verhindert , ist noch zu erörtern . Nestler hat dies bei seinem
Schieber einfach dadurch erreicht , dass er , nach der Angabe des
Ingenieurs Rees , einen Celluloidstreifen nicht nur auf dem Grund
des Schiebers ( bei ausgezogener Zunge sichtbar werdend und die
oben in 9 . erwähnte Teilung 26 bis 52 cm tragend ) , sondern auch
auf der Rückseite des Stabs aufleimte ; D . R . G . M . Nr . 41294 .
Die Stäbe bleiben in der That damit gut gerade , während sie früher
bedeutende Längen und besonders Querkrümmungen erlitten . Eine
kleine Längskrümmung des Stabs erschwert übrigens den Gang der
Zunge nicht merklich ; wohl aber ist Krummwerden der Zunge allein ,
oder eine Querkrümmung des Stabs misslich . Bei der jetzigen
Einrichtung rührt zu schwerer Gang der Zunge fast stets nur von
Unreinigkeiten her , die in die Nuten gekommen sind . Man reinige ,
wenn die Zunge zu schwer geht , die Nuten und ebenso die da¬
mit übereinstimmende Feder an der Zunge sorgfältig , worauf die
Zunge leichter gehen wird . Mit Ölen ist in der Regel nicht viel
zu erreichen ; es darf jedenfalls nur bei ganz reinen Oberflächen
von Nut und Feder und nur mit feinem Knochenöl , nicht mit vege tabilischem Öl geschehen , macht aber häufig den Gang der Zunge ,
wenn es auch momentan hilft , auf die Dauer nicht